VIELE TEILE ERGEBEN EINEN SESSEL: DESIGN VON THOMAS FEICHTNER

 

Der österreichische Designer Thomas Feichtner wird mit drei seiner Objekte bei der Ausstellung „Plica“ vertreten sein.

 

FX10 Lounge Chair
Ein Sessel aus Leder, aber ohne Nähte. Der FX10 Lounge Chair fasziniert und verwundert nicht nur durch seinen futuristischen Namen. Wie bei einem Iglu werden die einzelnen Holzgrundbauteile separat voneinander gepolstert und mit Leder bespannt und später zusammengesetzt, Kante an Kante, so dass ein Eindruck von geknickten Flächen entsteht.  Aus der Absicht heraus, einen Sessel mit einer geschlossenen und kompakten Form frei von Nähten zu schaffen, entstand der FX10. Sein ungewöhnlicher Name erklärt sich durch die ähnlichen Herangehensweisen des Designers Feichtner an die Entwürfe des Sessels und einer Skibindung gleichen Namens.
Minimalistisch, aber bequem, reduziert in Form und Farbe, aber optisch faszinierend, fast skulptural: Die Sesselkonstruktion aus Flächen, Punkten und Linien folgt keinem übergeordneten oder gar mathematischen Prinzip. Alle Flächen sind formal frei ausbalanciert und deren Eckpunkte spannungsreich gesetzt.

 

Fruit Bowl
Wie soll das Obst hier liegen bleiben? Eine Frage, die sich viele Betrachter der „Fruit Bowl“ von Thomas Feichtner stellen. Die Antwort: Kurz bevor die Früchte über die Öffnungen der Beine herausfallen, verkeilen sie sich und stabilisieren sich selbst. Eine bewusste Irritation, die jedoch auch praktischen Nutzen hat: Obst und Schale haben so die geringste Auflagefläche, Druckstellen und Beschädigungen werden reduziert. Auch die Form der Obstschale ist ungewöhnlich: Die silberne Schale ist kein typischer Rundkörper, sondern vielmehr ein Wechselspiel von abgeknickten Innen- und Außenflächen. Aus einem Silberstück gebogen entsteht eine auf drei Beinen stabile und freitragende Konstruktion.

 

Cutt
Es erinnert an ein Kinderbesteck oder an Schütten aus dem Kaufmannsladen: Mit seinem Besteck „Cutt“ ist Thomas Feichtner wieder einmal neue Wege gegangen. Einzelne Flächen, wie zu einer Schale gefaltet, ergeben den Körper von Löffel und Gabel. Die Form ist nur aus wenigen Punkten, Linien und Flächen definiert. Bei „Cutt“ war für Feichtner nicht nur der formale Ausdruck, sondern auch die Mittel der Herstellung entscheidend. Er wollte seinen Entwurf nicht auf die industrielle Ästhetik der Moderne stützen, sondern einen – formal gesehen – autonomen und manufakturell herstellbaren Gestaltungsansatz finden. Mit Absicht setzte er die allgemeinen Regeln des Designprozesses außer Kraft und ordnete alle Designfunktionen der Form unter. Mit Erfolg: Das Besteck Cutt hat bereits in verschiedenen Besteck- und Designsammlungen Eingang gefunden.

 

Thomas Feichtner wurde 1970 in Brasilien geboren. Nach seiner Schulzeit in Düsseldorf absolvierte er ein Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz, Österreich, an der er wenige Jahre später auch lehrte. Nach Beendigung seines Studiums des Industrial Designs gründete er sein eigenes Designbüro. Thomas Feichtner gestaltete zunächst Investitionsgüter und zahlreiche Produkte für die österreichische Sportindustrie und wurde mit internationalen Designpreisen, wie dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, dem reddot designaward, dem European Design Award und dem Josef Binder Award ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Produktgestalter für Head, Tyrolia, Fischer und Blizzard arbeitete Thomas Feichtner auch im Bereich der visuellen Kommunikation etwa für Swarovski Optik, Adidas Eyewear oder den britisch-israelischen Designer Ron Arad.

 

Thomas Feichtner ist Professor für Produktdesign an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Gemeinsam mit seiner Frau Simone Feichtner lebt und arbeitet er in Wien.

 

www.thomasfeichtner.com

 

 

TIPP

Buchtipp: „Edge to Edge. Experimentelle Gestaltung / Experimental Design“ von Thomas Feichtner

 

Im Vordergrund seiner Arbeiten stehen die künstlerischen Aspekte und der experimentelle Zugang zu Design. Auf der Suche nach einer unabhängigen Arbeitsweise abseits von Globalisierung und Massenproduktion entwarf er Produkte für traditionelle Handwerksbetriebe wie zum Beispiel J&L Lobmeyr, Neue Wiener Werkstätten und die Wiener Silber Manufactur. Thomas Feichtners Werk ist ungewöhnlich und vielschichtig.

 

Mehr über seinen Designansatz erfahren Sie in seinem Buch „Edge to Edge“. Hier werden seine jüngsten Arbeiten im Bereich des Möbel- und Objekt-Designs porträtiert, die sich zwischen Industrie und Manufaktur, zwischen Serienprodukt und Einzelstück positionieren. Die Monografie stellt seine experimentelle Arbeitsweise detailliert anhand von Skizzen, Vormodellen und Prototypen dar. Herausgegeben von Peter Noever, mit Beiträgen von Bernhard E. Bürdek, Michael Hausenblas, Lilli Hollein, Shonquis Moreno und Peter Noever.

 

Mehr Informationen erhalten Sie auf der Homepage von Thomas Feichtner